Bettina Flitner ist Fotografin und Filmemacherin, ihre Filmerfahrungen haben ihre Fotoarbeiten geprägt. Sie machte eine Ausbildung zur Cutterin beim WDR und studierte an der „Deutschen Film- und Fernsehakademie“ in Berlin, ihre ersten Filme wurden vielfach ausgezeichnet. Als Fotografin ist Bettina Flitner Autodidaktin. Sie setzt seit 1990 bei ihrer Arbeit den Hauptakzent auf die Fotografie, seit 1992 ist sie assoziiertes Mitglied der Fotografenagentur laif.

Ihre Fotoessays haben meist einen seriellen Charakter und häufig arbeitet Flitner mit der Kombination von Bild und Text. Erstes Aufsehen erregte sie mit ihrer „Reportage aus dem Niemandsland“, ihrer Fotoserie über Menschen aus West und Ost bei Mauerfall 1989. Bis dahin veröffentlichte Flitner formal traditionell in Ausstellungen und Büchern. Ab Beginn der 1990er Jahre ging sie mit ihren Arbeiten in den öffentlichen Raum, ihre Porträts wuchsen zu überlebensgroßen Fotoskultpuren. So ihre vielbeachtete Trilogie „Mein Feind – Mein Denkmal – Mein Herz“ aus den Jahren 1992-1995, mit der sie „den Kunstbetrieb infiltrierte und seine Grenzen sprengte“ (Klaus Honnef).

Ihre Installationen im öffentlichen Raum erzeugen immer wieder kontroverse und heftige Debatten bei Menschen wie Medien. So auch ihre preisgekrönte Arbeit „Ich bin stolz, ein Rechter zu sein“ über rechtsradikale Jugendliche, die sie weder denunziert noch akzeptiert. Die Jury der „Rückblende 2000“ über die Arbeit: „Aus den Bildern spricht genau das, was Hannah Arendt vor Jahrzehnten die ‚Banalität des Bösen’ nannte“. Mit dieser Arbeit ging Flitner aus dem öffentlichen Raum in den traditionellen Kunstbetrieb und schockierte auf der ART Cologne 2001 in der Förderkoje für junge KünstlerInnen mit einer beklemmenden Rauminstallation (bei Galerie von Loeper). „Der größte Medienrummel wurde Förderkünstlerin Bettina Flitner zuteil, die als einzige mit ihrer Fotoinstallation „Ich bin stolz, ein Rechter zu sein“ eine Arbeit mit politischem Bezug zeigte,“ schrieb die Zeitschrift ART (1/02).

Bettina Flitner hat von Anfang an zwischen den Genres gearbeitet: zwischen dokumentarischem Journalismus und inszenierter Fiktion. Ihre jüngste Arbeit „Frauen die forschen" erschien als Buch 2008 in der Collection Rolf-Heyne.

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